Gorilla gorilla – Gorilla

WISSENSCHAFTLICH Gorilla gorilla
DEUTSCH Gorilla
ENGLISCH Gorilla
FRANZÖSISCH Gorille
SYSTEMATISCHE EINTEILUNG: Ordnung der Herrentiere oder Primaten, Unterordnung Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini), Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea), Familie der Großen Menschenaffen (Hominidae), Unterfamilie der Großen afrikanischen Menschenaffen und Menschen (Homininae), einzige Art der Gattung Gorilla mit 3 Unterarten:

  • Flachlandgorilla, auch westlicher Flachlandgorilla oder westlicher Tieflandgorilla (Gorilla gorilla gorilla, engl. Western Lowland Gorilla)
  • Grauergorilla, auch östlicher Flachlandgorilla oder östlicher Tieflandgorilla (Gorilla gorilla graueri, engl. Eastern Lowland Gorilla)
  • Berggorilla (Gorilla gorilla berengei, engl. Mountain Gorilla)

Anmerkung: Diskutiert wird eine Aufteilung in zwei Gorilla-Arten (östliche und westliche).

STATUS
HÄUFIGKEIT:
Flachlandgorilla: Stark bedroht (kritisch bedroht in Äquatorial-Guinea, Nigeria
Grauergorilla: Stark bedroht
Berggorilla: Stark bedroht bis kritisch bedroht
VERBREITUNG:

Vorkommen:

Flachlandgorilla: Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Kongo, Äquatorial-Guinea, Nigeria, Gabun, Angola?
Grauergorilla: Östliche Demokratische Republik Kongo (vormals Zaire)
Berggorilla: Länderdreieck Uganda – Ruanda – Demokratische Republik Kongo

Populationsschätzung (um 1995):

Flachlandgorilla: >111.000 (?)
Grauergorilla: > 10.000 (?)
Berggorilla: 620 (ziemlich genaue Zahl)

KÖRPERMAßE: Kopfrumpflänge: Männchen im Mittel 172 cm – Grauergorilla max. 196 cm, Weibchen im Mittel 150 cm

Schwanzlänge: 0 cm

Gewicht: Männchen 130-267 kg – im Zoo oft korpulent mit bis zu 350 kg, Weibchen 60-100 kg

AUSSEHEN, AUFFÄLLIGE MERKMALE: Knöchelgänger, massiger Körperbau, schwarze, oft schüttere BehaarungFlachlandgorilla: braungraues Fell; silbergrauer Rückensattel erwachsener Männchen zieht sich über Rumpf und Oberschenkel
Grauergorilla: schwarzes Fell; silbriggrauer Sattel erwachsener Männchen beschränkt sich auf Rücken; Brust und Körper breiter und glänzender als Flachlandgorilla
Berggorilla: Fell und Körperform wie Grauergorilla, doch besonders an Armen längere Haare

Tendenz zur Haremsbildung; männliches Imponieren u.a. durch zweifüßiges Laufen und Brusttrommeln; Kindestötung durch neuen Haremshalter; wenig Sozialkontakte unter Weibchen

FORTPFLANZUNG
und
LEBENSLAUF:
F=Freiland
G=Gefangenschaft
Weiblicher Zyklus: 28 Tage (F), 30-32 Tage (G)

Schwangerschaftsdauer: 257 Tage, Spanne 234-289 Tage

Zahl der Jungen je Geburt: 1; Zwillinge sehr selten

Geburtsgewicht: 1,8-2,3 kg

Geburtenabstand: 4 Jahre, Spanne 3-12 Jahre

Alter bei der 1. Geburt: frühestens 7 Jahre (G) bzw. 9 Jahre (F); im Mittel 10 Jahre (F)

Männliche Geschlechtsreife: frühestens 7 Jahre (G)

Entwöhnung: mit 2-4 Jahren

Sterblichkeit: 26% (F), 22% (G)

Lebensdauer: in der Wildnis 25-40 Jahre; in Menschenobhut mehr als 50 Jahre

NAHRUNG: Rein pflanzlich: Wurzeln und Knollen (Bergorilla 3%); Stengel, Mark, Sprossen (Flachlandgorilla 21%, Berggorilla bis zu 27%); Blätter (Flachlandgorilla 34%, Berggorilla 68-86%); Rinde und Holz (Berggorilla 4%); Früchte (Flachlandgorilla 40%, Berggorilla 1%); Blüten (Berggorilla 2%); Tiere < 0,1%, d.h. zufällig aufgenommene Insekten, Spinnen und Schnecken; sehr selten Erde (Mineralien) und eigener Kot
FEINDE: Leopard, Mensch
LEBENSWEISE
und
LEBENSRAUM:
Tagaktiv; bauen Tag- und Nachtnester; Berggorillas zu etwa 95% bodenlebend, Gorillas im Tierfland etwa 35% auf Bäumen; in Regen- und Nebelwald; im Bambuswald bis 4000 m; Streifgebietsgröße 2-35 km2; Tageswanderungen ca. 0,1 bis 3,4 km
SOZIALES LEBEN
(Kultur):
Sozialstruktur: Haremsgruppen mit durchschnittlich 11 Mitgliedern, darunter 1 voll erwachsener Mann (Silberrücken), 5 Jungtiere und 5 andere Erwachsene (meist Weibchen); 40% aller Gruppen haben 2-4 Silberrücken; 5-10% der Bestände sind Silberrücken ohne Weibchen; bis 10% der Bestände können aus Mitgliedern von Männergruppen bestehen; Weibchen suchen sich in der Regel ihre Haremsgruppen durch mehrfachen Wechsel aus; Wechsel des Haremshalters durch Vertreibung oder Tod, wobei dann oft der Sohn das Harem übernimmtTiere pro Gruppe: ca. 6 bis max.52 (Flachlandgorilla), ca. 13 bis max. 42 (Grauergorilla), ca. 10 bis max. 27 (Berggorilla)

Wanderndes Geschlecht: 55% aller Männchen, 80% aller Weibchen

LANGZEITSTUDIEN IM FREILAND:
Ort, Land, Beginn, Teamleiter
  • Karisoke Research Centre; Ruanda; seit 1967; Dian Fossey (verstorben), David Watts u.a.
  • Lopé Reserve; Gabun; seit 1984; Caroline Tutin, Michel Fernandez
  • Nouabalé-Ndoki; Kongo; 1989 bis 1992, seit 1994; Suehisa Kuroda
  • Kahuzi-Biega; Kongo; 1978 bis 1979, seit 1987; Juichi Yamagiwa
QUELLE: Bernhard Grzimek (1988), Volker Sommer (1989/1998)