Homo sapiens – Mensch

WISSENSCHAFTLICH Homo sapiens
DEUTSCH Mensch
ENGLISCH Man, Human Beings
FRANZÖSISCH Hommes
SYSTEMATISCHE EINTEILUNG: Familie der Ordnung Herrentiere oder Primaten, Unterordnung Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini), mit nur einer rezenten (heute lebenden) Gattung (Homo) und einer Art (Homo sapiens). In der Systematik des Tierreichs stellen die Menschen die höchste Entwicklungsstufe dar und bilden zusammen mit den Gibbons (Hylobatidae) und den Großen Menschenaffen (Pongidae) – Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea), Familie der Großen Menschenaffen (Hominidae), Unterfamilie der Großen afrikanischen Menschenaffen und Menschen (Homininae)
STATUS
HÄUFIGKEIT:
mehr als 6 Millarden.Früheste Vormenschenfunde rund 5 Millionen Jahre alt; schon damals alle wesentlichen Merkmale des aufrechten Gangs (Bipedie) vorhanden; danach ständige Vergrößerung des Gehirns und damit zunehmende Lernbegabung als Voraussetzung der Kulturentwicklung; Entfaltung verschiedener Vormenschengruppen; vor etwa 2 Millionen Jahren Übergang zu frühen Menschenformen in Afrika, anschließend Ausbreitung nach Asien und Europa; Übergang zum anatomisch modernen Menschen vor etwa 100000 Jahren in Afrika; von dort Ausbreitung in fast alle Lebensräume der Erde; dabei Entstehung der heutigen Vielfalt durch Anpassungen an die unterschiedlichen Lebensbedingungen, zugleich Schaffung einer künstlichen Umwelt durch Kultur und Zivilisation.
AUSSEHEN, AUFFÄLLIGE MERKMALE: Kopf:
Große Hirnkapsel mit entsprechend großem Gehirn; stark gefurchte Großhirnrinde mit hohem Stirnhirnanteil; Hinterhauptsloch weitgehend zur Mitte der Schädelbasis verlagert; kurzes, unter den Gehirnschädel gewandertes Gesicht aus dem Nase und Kinn hervortreten (Nase als Raum zur Anwärmung, Anfeuchtung und Grobfilterung der Atemluft, Stirn als verstärkender Bestandteil des Unterkiefers); geschlossener, parabolischer (parabelförmig gekrümmter) Zahnbogen mit kleinen Eckzähnen.Rumpf:
Zur Körpermitte hin verlagerte Wirbelsäule, die durch Lage und mehrfach gebogenen Verlauf als federnder Achsenstab den Trittstoß des Fußes dämpft; wannenförmiges Becken zur Unterstützung des aufrechten Rumpfes; hervortretendes Gesäß infolge starker Entwicklung des zur Aufrechterhaltung des Rumpfes notwendigen Gesäßmuskels.

Gliedmaßen:
Beine länger als Arme; spezialisierter Standfuß mit verstärktem Fersenbein, Fußgewölbe und kräftiger, nicht abgespreizter Großzehe; Hände im Vergleich zu den meisten Herrentieren wenig spezialisiert, dadurch vielfältig einsetzbar.

Haut, Haare und äußere Weichteile:
Geringe Körperbehaarung; Haarinseln auf Kopf, in Achselhöhlen und im Geschlechtsbereich; Barthaar beim Mann; Haut reichlich mit Schweißdrüsen ausgestattet und von unterschiedlicher Farbe; weibliche Brust durch Fetteinlagerung hervortretend.

FORTPFLANZUNG
und
LEBENSLAUF:
F=Freiland
G=Gefangenschaft
Fortpflanzung:
Geschlechtliche Betätigung nicht saisonal, also nicht auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt; Schwangerschaftsdauer 38 Wochen; in der Regel ein Kind je Geburt; das Neugeborene bleibt im Reifegrad hinter den Tierprimaten zurück; auch nachgeburtliche Entwicklung wesentlich langsamer als bei den Tierprimaten: Verlängerung von Kindheit und Jugend (weibliche Geschlechtsreife mit etwa 13jahren, Abschluß des Längenwachstums mit 16-18 Jahren); lange Lebensspanne nach Erlöschen der weiblichen Fortpflanzungsfähigkeit; durchschnittliche Lebenserwartung in den modernen hochentwickelten Ländern 69 Jahre beim Mann, 76 Jahre bei der Frau (in den anderen Ländern zum Teil erheblich niedriger).
LEBENSWEISE
und
LEBENSRAUM:
Dank einmalig großer Anpassungsfähigkeit („Allesesser“, vielseitige Umweltnutzung) und technischer Hilfsmittel (Geräte, Feuergebrauch, Kleidung, schützende Behausungen usw.) fortschreitende Besiedlung nahezu aller Klimabereiche und Landschaftsformen, von den Tropen bis zum hohen Norden und tiefen Süden, ausgenommen Antarktis und große Teile der Arktis; hochentwickeltes Sozialverhalten; Familie (Zusammenschluß mehrerer Familien in Horden, Groß- oder Kleinfamilie) als Grundeinheit menschlicher Gesellschaften.
SOZIALES LEBEN
(Kultur):
Rasche Gehirnentwicklung, aufrechter Gang (ständiges Freiwerden der vielfältig einsetzbaren Hände) und verfeinerte innerartliche Verständigung (Wortsprache) Vorbedingungen für die Entstehung von Kultur und kulturellen Traditionen; zunächst Wildbeutertum (Jäger und Sammler) mit Feuernutzung, Herstellung von Werkzeugen und Waffen, Zusammenarbeit und Arbeitsteilung; dann Übergang zu Ackerbau und Viehwirtschaft, damit verbunden Seßhaftwerdung und Tauschhandel; umfassendere soziale Organisationen und schließlich Stadtgründungen; erste „Hochkulturen“ in den letzten vorchristlichen Jahrtausenden.
QUELLE: Bernhard Grzimek (1988), Volker Sommer (1989)